Neues von Neupack: Vereint statt verunsichert

Was bisher geschah:
Nach langen Verhandlungsbemühungen seitens der Gewerkschaft und einem Warnstreik traten rund 95% der Beschäftigten bei Neupack am 01.11.12 in einen unbefristeten Streik. Dazu unser Artikel Streik bei Neupack

Am 07.11.12 hatte die Krüger-Bande eine einstweilige Verfügung erwirkt, um die Streikenden davon abzuhalten die elenden Streikbrecher von ihrem Verrat, zumindest 30min lang, abzuhalten. Diese Zeit wurde genutzt, um mit den Streikbrechern ins Gespräch zu kommen und sie für den Kampf im gemeinsamen Interesse zu überzeugen. Damit ist jetzt Schluss. Man weiß nicht genau wie dieser Richterspruch zu Stande kommt; mit den einschlägigen Urteilen hat er jedenfalls wenig gemeinsam. Nun denn: Wenn einem die Mittel genommen werden, muss man sich eben andere suchen.
Die Kollegen aus Stellingen haben die Zeit dennoch sinnvoll genutzt und den Streikenden im Werk Rotenburg/Wümme einen solidarischen Besuch abgestattet. Rund vierzig Streikende und Unterstützer traten von Stellingen aus gemeinsam die Reise nach Rotenburg/ Wümme an; und sorgten für mächtig Verunsicherung seitens der dortigen Streikbrecher und Sicherheitsleute.
Als das Tor sich nicht schließen liess, versuchte ein Sicherheitsmann die Streikenden mit seiner stabilen Statur einzuschüchtern. Das zeitigte die Wirkung eines Papiertigers. Er stampfte davon. Man hatte Zeit sich die nähere Umgebung anzuschauen, und erblickte ein Schild worauf stand:“Vorsicht freilaufender Hund!“ Kurz kam der Gedanke auf, der Sicherheitsmann könne seiner stabilen Statur mittels des Hundes Nachdruck verleihen wollen. Man verwarf ihn aber, wegen der Annahme, dass der Kerl doch so blöd nicht seien könne. Immerhin stand der NDR samt Kamera bei den Streikenden. Doch man soll nicht zu viel von den Leuten erwarten. Er holt den Hund.

Empörung und Spott über dieses Verhalten waren gleichermaßen unter den Streikenden und Unterstützern vertreten. Die Szenerie, die sich dann bot, war filmreif. Der Sicherheitsmann stand wenige Meter von den Streikenden entfernt, der Hund völlig am Abtillen wegen der vielen aufgebrachten Leute, die Reporter völlig sensationsgeil (job description) am Filmen, und die Streikenden gänzlich unbeeindruckt oder wütend. Die Polizei zeiigte sich nicht so begeistert, da doch eine leichte Spannung in der Luft lag. Ein offensichtlich überforderter Sicherheitsmann mit einem rund 70kg schweren Wachhund direkt neben einer streikenden Arbeiterschaft.

Die Polizei und der anwesende IG BCE Bezirksleiter Jan Eulen können die Situation schlichten. Das Tor wird geschlossen. Die Stimmung ist danach entspannt, die Kollegen reden miteinander, tanzen teilweise und lachen gemeinsam. Obwohl man sich zwischen den Werken kaum kennt.
Jan Eulen hält eine Rede die überwiegend sehr sozialdemokratisch gehalten ist (Enttäuschung über mangelnde Sozialpartnerschaft etc.), aber in der auch ein guter Punkt kommt.
Am Vortag waren nämlich Leiharbeiter einer polnischen Leiharbeitsfirma namens work express für den Streikbruch angekarrt worden. Darüber verfiel der Gewerkschafter allerdings nicht ins nationalistische Ressentiment, sondern kritisierte die Krüger-Familie dafür, dass sie die soziale Lage des polnischen Proletariats für ihr Interesse ausnutzt. Ungewohnt fortschrittliche Töne von einer deutschen Gewerkschaft.
Auch Rajko Pientka meldet sich zu Wort und berichtet unter anderem, dass gleiche Tätigkeiten im Facharbeiterbereich zwischen 10€ bis 20€ Entgelt pro Stunde bekommen.
Danach wurde gemeinsam gegessen. Leider wurde beim Kochen nicht bedacht, dass einige Kollegen kein Schweinefleisch essen, weshalb kurzerhand für diejenigen etwas beim Imbiss geholt wurde.
Bald darauf wurde die Rückreise angetreten. Insgesamt ein voller Erfolg. Statt über die Kampfmaßnahme des Feindes (einstweilige Verfügung) in Frustration zu verfallen, wurde die Zeit sinnvoll für einen solidarischen Besuch bei den Kollegen genutzt.
Die Rückfahrt brauchten die meisten Streikenden und Unterstützer, um den etwas kurz gekommenen Schlaf nachzuholen.
Übrigens: Es kam schon zu mehreren Körperverletzungen gegen die Streikenden! So wurde bspw. in Rotenburg/ Wümme ein Streikposten von Streikbrechern angefahren. In Stellingen kam es zu Handgreiflichkeiten gegen eine Streikende.

Im folgenden eine (unvollständige) Liste mit Veröffentlichungen zum Thema Streik bei Neupack:

IG BCE HH (Streikzeitung)
labournet.de
AK Arbeitskampf
Projekt revolutionäre Perspektive





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