Macht kaputt, was…ja was denn eigentlich?

Armut, Lebensmittelskandale, vergiftetes Spielzeug,Burnout-Syndrom und Ölkatastrophen sind nur einige Beispiele für die dauerhafte Schädigung von Mensch und Natur in dieser Gesellschaft. Warum der Kapitalismus, das glorreiche Ende der Geschichte, die beste aller Gesellschaften, und sowieso die dem Menschen einzig natürliche, ständig solche Schädigungen hervorbringt, sollte nicht Gegenstand von Moralphilosophie sein, sondern wissenschaftlicher Erklärung. Um diese Erklärung soll es im folgenden Text gehen.

Privateigentum
Der bürgerliche Staat(Einführung,Weiterführung) garantiert kraft seines Gewaltmonopols (Polizei und Justiz) das Privateigentum. Das bedeutet, dass so ziemlich alles irgendjemandem gehört und dieser ausschließlich, also ganz alleine, darüber verfügen darf, bzw. niemand sonst.
Die meisten finden das auch total sutsche. Prima, ich habe eine Playstation und kann frei über sie verfügen, oder ich habe ein neues Auto und kann es benutzen, wann ich will, oder die hautverträgliche Schminke, mit der ich mich richtig hübsch finde – all das nenne ich mein Eigen. Nun kann ich frei darüber verfügen, ohne dass es mir jemand wegnehmen darf (das garantieren Polizei und Justiz) oder mir reinreden kann, was ich damit anstellen soll. Allerdings wird bei dieser Erleichterung die Tatsache, etwas zu besitzen, nur positiv empfunden, weil man das Privateigentum schon gänzlich unkritisch voraussetzt. Denn erst, wenn ich mich daran gewöhnt habe, dass das, was ich will nicht meins ist, kann mir der gegenteilige Fall positiv auffallen. In einer Gesellschaft, in der ich es gewohnt bin, dass ich von den Mitteln meiner Bedürfnisbefriedigung ausgeschlossen bin, freue ich mich darüber, dass es ausnahmsweise mal nicht so ist.
Wenn ich nicht zufällig alles, was ich brauche, besitze, muss ich es also gegen Geld tauschen. Ohne Geld bekomme ich nichts, mit Geld so ziemlich alles. Während das Eigentum an einem konkreten Gegenstand mir die Verfügung darüber garantiert, garantiert mir Geld den Zugriff auf alles dafür Käufliche. Deswegen nennt man Geld auch ,,Zugriffsmacht auf den gesellschaftlichen Reichtum“.

Proletariat
Ich und die Mehrheit auf dieser Welt nennen nur sich selbst und ihre Konsumgüter ihr Eigen. Zwar könnte ich meine Möbel, Klamotten und meinen Kühlschrank verkaufen, aber dann wäre ich nackt und hungrig und müsste das erworbene Geld für Möbel, Klamotten und einen Kühlschrank ausgeben… also verkaufe ich das, was ich sonst noch habe. Mich selbst. Das klingt nach Prostitution; ist es auch. Ich nutze meine Freiheit mit meiner Zeit anzufangen, was ich möchte, indem ich sie aufgebe, um zu leben. In Freiheit leben heißt, die Freiheit zu haben, sie für Geld aufzugeben. Ich suche mir also jemanden, der an meiner Arbeitskraft interessiert ist, um an Kohle zu kommen. Das tue ich völlig freiwillig, ich habe nämlich das Recht zu verhungern, wovon ja auch viele Tausend Menschen täglich Gebrauch machen. Marx nannte das den doppelt freien Lohnarbeiter: 1. juristisch frei zu tun, was er will (im Gegensatz zum Leibeigenen), 2. frei von den Mitteln zur Produktion bzw. Bedürfnisbefriedigung, oder auch einfach Proletarier. Das ist die besitzlose Klasse, das Proletariat.
 
Kapitalisten und ihre Konkurrenz
Des Weiteren gibt es auch Leute, die haben genug Geld, um Produktionsmittel (Grundstück, Material, Maschinen etc.) und Arbeitskraft zu kaufen. Diese Kerls nennt man Kapitalisten, sie bilden die Kapitalistenklasse oder Bourgeoisie (franz. Besitzbürgertum). Sie kaufen also Sachen ein, lassen sie bearbeiten und verkaufen sie mit Gewinn und für den Gewinn weiter.1

Hieran lässt sich etwas erkennen, woran man sich stören könnte. Ob ich ein Bedürfnis nach Döner habe interessiert den Dönermann gar nicht, sondern nur, ob er mit diesem Bedürfnis Geld verdienen kann. Wenn ich zum Dönermann gehe und sage:,,Ich hätte gern einen Döner!“, sagt der: ,,3,50 bitte.“ Die gesamte Produktion richtet sich nur nach zahlungskräftigen Bedürfnissen, ob jemand etwas will ist völlig irrelevant, das interessiert niemanden! Nur ob er etwas kaufen will und kann.
Ergebnis sind am Monatsende hungernde Studenten, verhungernde Kinder in Afrika, und ich, der weder einen LCD-Fernseher, eine Playstation 3, einen Porsche, noch Art Decorative Sofas aus den 20er/30er Jahren hat. Der Zweck der kapitalistischen Produktion ist also gegenüber der Bedürfnisbefriedigung ignorant, denn er kennt sie nur als Mittel.
Klar gibt es so Sachen, dass mein Dönermann mir mal einen Döner ausgibt, wenn ich kein Geld dabei habe, sei es aus Freundlichkeit oder als Kundenbindungsstrategie, doch ökonomisch überleben kann er durch’s reine Verschenken nicht. Er kann es sich nicht leisten jedem einen Döner zu geben, der einen will. Er muss Gewinn machen, deswegen verkauft er den Döner. Nur Leute, die auch den von ihm verlangten Preis zahlen, bekommen einen Döner. Ansonsten würde er laufend sein Kapital vernichten, immerhin hat er ja auch Kosten.
Weil er sich den Zweck setzt, Geld zu verdienen, kann er auf Bedürfnisse nur Rücksicht nehmen, wenn sie zahlungskräftig sind, und als Mittel für seinen Zweck Geld zu verdienen taugen.
Alle so produzierten nützlichen Dinge sind also Waren, sie sind nicht nur nützlich, sondern haben auch einen Preis.

Zwischen den einzelnen Kapitalisten gibt es eine Konkurrenz. Sofern sie einen gleichen / ähnlichen Gebrauchswert produzieren, konkurrieren sie um die gleiche, beschränkte Nachfrage.
Sie kämpfen um Marktanteile. In diesem Kampf gegeneinander haben sie verschiedene Mittel.
Da ist bspw. der ruinöse Preiskampf. Supermarktketten haben ihre Expansion oft darüber gemacht, dass sie sich neben einen sogenannten Tante-Emma-Laden, also einen kleines, einzelnes Geschäft mit ähnlichem Sortiment gesetzt haben. Denn sie wussten, dass dort eine entsprechende Nachfrage sein müsse, da sich der Laden ansonsten nicht halten könne. Die neue Supermarktfiliale hat dann eröffnet und ihre Waren unter Kostpreis verkauft. Also ohne Gewinn. Dies war möglich, weil der Konzern durch die vielen anderen Filialen genug einnahm, um im Ganzen Profit zu machen. Die Folge war, dass Tante Emma Pleite ging, weil alle beim Supermarkt eingekauft haben. So hat die Supermarktkette durch ihre Größe ein Konkurrenzmittel, das Tante Emma nicht hatte.
Dadurch wird Tante Emma nicht besser, aber es wird klar, warum es sich lohnt, verdammt viel Geld zu haben, wenn man in der Konkurrenz bestehen will. Denn Tante Emma verfolgt den selben Zweck des Geldverdienens, mit all seinen widerlichen Auswirkungen, aber sie ist dabei schlicht unterlegen. (Um eventuellen Einwänden vorzubeugen, der ruinöse Preiskampf wird immer mal wieder branchenweise verboten, weil man negative Konsequenzen für die Nation erwartet. Bspw. ist er zurzeit bei Lebensmitteln verboten, weil die Regierung einen zu hohen Preisdruck auf die Erzeuger und damit einhergehende Qualitätseinbußen befürchtet.)
Ein weiteres Konkurrenzmittel ist der Produktivitätszuwachs. Durch die Steigerung der Produktivität kann ein Arbeiter in der gleichen Zeit mehr produzieren. Die Lohnkosten pro Stück sinken, das Produkt wird billiger. Somit kann das Unternehmen sein Produkt billiger (als die Konkurrenz) anbieten. So ein Produktivitätszuwachs kann beim industriellen Kapital bspw. durch neue Maschinen erreicht werden. Die kosten Geld. Viel Geld hilft also. Hierdurch wird wieder deutlich, dass viel Geld hilft, beim Wettlauf um den größten Marktanteil, weil dafür geringe Preise nützlich sind, und diese über hohe Produktivität erreicht werden können.
Ein anderes Beispiel wäre die Werbung. Werbekampagnen, Plakate, Fernsehspots, Youtubespots, Google, Facebook – all das kostet Geld. Je mehr Geld, desto mehr Werbung kann man sich leisten. Mit dieser Werbung kann man seine Marktanteile steigern, indem man sein Produkt bekannter, beliebter, cooler, hipper und damit verkäuflicher macht, als die der Konkurrenz.
Noch ein Beispiel wäre die Produktentwicklung. Viel Geld macht Produktentwicklung möglich, und die eröffnet die Möglichkeit, als Erster ein neues, zahlungskräftiges Bedürfnis zu befriedigen. Also erst einmal 100% Marktanteil zu besitzen, bis die Konkurrenz nachzieht.

Das sind nur einige Mittel der Konkurrenz, aber der Zusammenhang von Geld und Konkurrenzfähigkeit sollte deutlich geworden sein.
Viel Geld bedeutet also, besonders stark in der Konkurrenz zu sein, weil man großen Zugriff auf die Mittel der Konkurrenz hat (Geld ist gesellschaftliche Zugriffsmacht!). Deswegen haben Kapitalisten immer ein Interesse am Maximalprofit. Denn ihr Profit heute entscheidet über ihre Konkurrenzfähigkeit morgen. Der Betrag um den ihr Kapital heute wächst, plus ihr Kapita,l ist ihr Kapital für morgen, also maßgeblich für den Umfang der Konkurrenzmittel, die sie sich morgen leisten können. Und weil man sich morgen mit den anderen messen muss, gilt die Devise: Je mehr Profit, desto besser. Die Kapitalisten sind nicht gezwungen den Maximalprofit zu erwirtschaften, aber wenn sie weiterhin in der Konkurrenz bestehen wollen, haben sie verdammt gute Gründe, danach zu streben.

Es gibt also objektive Gründe, als Kapitalist nach dem Maximalprofit zu streben. Jeder Kapitalist, der in der Konkurrenz bestehen will, sollte sich als Maßstab für seinen Geschäftserfolg maßloses Gewinnstreben setzen! Wenn das einer tut, dann weil er es zwecks seines Erfolgs tun muss, es ist die einzig vernünftige Art, sich als Kapitalist zu betätigen. Dafür braucht man weder gierig, noch machtversessen zu sein! Solche individuellen Eigenschaften mögen noch dazu kommen, aber ob er es mit schlechtem oder gutem Gewissen tut, ändert nichts an der Sache! Und die Gier und Machtverssenheit der Leute ist auch nicht der Grund weshalb so viel Scheiße passiert, sondern das Privateigentum und die Konkurrenz, die durch das Privateigentum zustande kommt! Wenn alle Bonzen nette Leute wären, würde hier immer noch dieselbe Scheiße ablaufen!2

Weitere Unannehmlichkeiten
Das Streben nach dem Maximalprofit und der Umstand, dass die Zahlungsfähigkeit der Bedürfnisse eine sehr begrenzte ist, haben zur Folge, dass oft nicht nur durch Produktivitätszuwachs, sondern auch bspw. durch billigere Rohstoffe, die oft auch schlechter sind, der Preis gesenkt wird. Wahlweise wird auch an der Hygiene gespart.
Natürlich kann man jetzt einwenden: “Es gibt doch auch Bioprodukte!“ Doch das ist kein Argument gegen unsere These. Es ist also so, dass einige Unternehmen sich auf etwas zahlungskräftigere Bedürfnisse spezialisiert haben, und denen kommen sie mit dem Argument: “Ihr müsst die Scheiße nicht fressen, wenn ihr euch das leisten könnt!“
Da aber die Konsumenten ihr Geld meist als Arbeiter erwerben, und deren Löhne wegen dem Zweck des Profits tendenziell eher gering ausfallen, wird es immer genug Leute geben, die Scheiße fressen müssen.
Weil das Bedürfnis nicht Zweck der Produktion ist, sondern der Gewinn, ist eben auch die Qualität des Produkts nur ein Kostenfaktor, ein Mittel für den Zweck.
Beim Streben nach dem Maximalprofit stellt sich auch eine gewisse Rücksichtslosigkeit gegen Arbeiter und Natur ein.
Ob es Kinderarbeiter in Indien, in 24h-Schichten arbeitende Kellnerinnen in Moskau, in Containern lebende Wanderarbeiter in China, deutsche Handwerker mit Knie- und Rückenschäden, oder leitende Angestellte mit Burnout-Syndrom sind, die Schädigung der Ware Arbeitskraft, denn mehr sind wir nicht in dieser Gesellschaft, ist allgegenwärtig.
Wir sind Mittel zum Zwecke des Maximalprofits, es geht dabei um unsere möglichst effiziente Ausbeutung. Deswegen sind die Arbeitsprozesse auch so unangenehm! Deswegen werden wir dabei auch ständig geschädigt! Denn die Organisation des Arbeitsprozesses hat eben nicht den Zweck, möglichst angenehm für uns zu sein, sondern möglichst profitabel für den Kapitalisten, der uns eingekauft hat! Die Einzelkapitale nehmen dabei auch einmal die völlige Vernichtung der eingekauften Arbeitskraft in Kauf, sofern sie Ersatz finden.
Warum das Kapital manchmal auch höhere Löhne zahlt, könnt ihr hier lesen.
Auch die Natur ist eine Reichtumsquelle des Kapitals. Sie ist, genauso wie wir, nur Mittel zum Zwecke des Maximalprofits. Auch mit ihr wird nicht möglichst schonend und nachhaltig, sondern profitabel umgegangen. Ihre Zerstörung ist nichts, was das Einzelkapital stört, es ist rücksichtslos gegen sie. Ihre Zerstörung wird betrieben, sofern sie profitabel ist. So droht das Kapital ständig die Grundlage seiner Vermehrung, Mensch und Natur, zu vernichten.
Gigantische Tropenwälder werden gerodet, um gigantische Monokulturen zu errichten. Im Wissen, dass diese Flächen nach wenigen Jahren unbrauchbar sein werden. Warum? Weil es günstiger ist, nach ein paar Jahren wieder Regenwälder zu roden, statt von Anfang an ökologisch zu produzieren! Täglich wird tonnenweise Elektroschrott aus dem Westen nach Afrika „exportiert“. Das bedeutet, dass man den Kram da einfach hinschmeißt. Das soll nur beispielhaft veranschaulichen, was es bedeutet, wenn der Umgang mit Natur in der Produktion als Kostenfaktor auftaucht.
Warum der Staat nicht die Lösung des Problems sein kann, werdet ihr bald lesen können.

Konsequenzen
Wir hoffen, es ist klar geworden, dass nicht ein „entfesselter“ Kapitalismus oder die moralische Verkommenheit der Kapitalisten oder sonst jemandem unser Problem ist, sondern die gesellschaftlichen Prinzipien, die diese auf Privateigentum basierende Produktionsweise strukturieren. Die politischen Konsequenzen, die man aus der Erkenntnis zieht, dass der Kapitalismus die eigene Schädigung bedeutet, sind zumindest für uns erst einmal Aufklärung zu organisieren. Sich bilden und mit der marxistischen Kritik an dieser Gesellschaft gewappnet gegen sie agitieren, ist auf jeden Fall kein Fehler. Lest, diskutiert, organisiert Öffentlichkeitsarbeit.
Wir sind gerne auch bereit, euch dabei zu unterstützen.

  1. Wie gesagt, eine moralische Einordnung des Ganzen ist nicht unser Anliegen, sondern die Kritik der Zwecke die dieser Produktionsweise zu Grunde liegen. Wie die RAF eindrucksvoll bewiesen hat, wird ein Akteur ersetzt, wenn man ihn erschießt…and capitalism goes on. [zurück]
  2. Wir sahen uns zu dieser Ergänzung genötigt, da der Punkt anscheinend noch nicht deutlich genug gemacht wurde. [zurück]




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